Vom Raver zum Designer

Erscheinungsdatum: 
03.12.2008

Michael Langner kreiert Ungewöhnliches

Michael Langner ist eigentlich Chemielaborant, doch in seiner Freizeit entwirft er Kostüme. Dabei macht der Delmenhorster auch vor ungewöhnlichen Materialien wie Linoleum, Teppich oder Teichfolie nicht halt. 

Kleidung nur aus Stoff findet Michael Langner viel zu langweilig. Der quirlige junge Mann kreiert gerne auch mal Kostüme aus ungewöhnlichen Materialien wie PVC oder Teppich: zum Beispiel für seine erste großen Modenschau zum Tag der offenen Tür seines Arbeitgebers Deutsche Linoleum Werke (DLW) Armstrong, wo der 29-Jährige als Chemielaborant tätig ist. Für das 125-jährige Jubiläum 2007 entstand die Idee, insgesamt 22 Kostüme aus genau den Bodenbelägen, die in der jeweiligen Epoche des Unternehmens gerade aktuell waren, zu designen. Also machte sich der Delmenhorster an die Arbeit und entwarf, nähte, klebte oder schweißte Kostüme aus Linoleum, Jute, Teppich, Teichfolie, Kunstrasen oder Schwimmbadfolie.

Für die 20er-Jahre fertigte er beispielsweise ein Kleid aus der Innenverkleidung eines Mercedes Maybach. „Das Stirnband und die Handtasche habe ich auch aus Linoleum gemacht“, macht er auch auf die Accessoires aufmerksam, denn er legt Wert auf Details. In den 60er-Jahren kamen die PVC-Bodenbeläge auf den Markt, also schneiderte er daraus ein Kleid, und für die 70er-Jahre ließ er Hippies in Kostümen aus Nagelfilz, der zu dieser Zeit in vielen Verwaltungsgebäuden verlegt wurde, über den Laufsteg flanieren.

„Ursprünglich wollte ich mal Koch werden“, erinnert sich Langner. „Also habe ich in der Schule das Fach Hauswirtschaft gewählt.“ Dort kam der kreative Kopf zum ersten Mal mit Nadel und Faden in Berührung und war gleich fasziniert. „Doch meine ersten Versuche waren grausam“, erinnert sich er und muss dabei schmunzeln. Dass sich das inzwischen geändert hat, lässt sich unschwer erkennen, wenn man sein Atelier im Keller betritt. Dort springt dem Besucher gleich ein wunderschönes, ausschweifendes Kleid im Barockstil ins Auge. „Das war mein ‚Meisterstück’, daran habe ich über 30 Stunden gearbeitet.“ Zwar ist das Hauptmaterial Jute, doch Details wie zahlreiche kleine Rosen lassen es edel wirken.

Seit dem Hauswirtschaftskurs hat ihm niemand mehr gezeigt, wie man näht. „Ich habe mir vieles selbst beigebracht“, erzählt er. In seiner Jugend gehörte der gebürtige Schwabe der Techno-Szene an, weshalb er sich selbst ausgefallene Hosen und Shirts schneiderte. Vier Nähmaschinen hat er seit dieser Zeit schon verschlissen, doch gerade bei ungewöhnlichen Materialien sind auch die Lochzange und vor allem die Heißklebepistole Langners liebste Werkzeuge. Wenn gerade mal keine Modenschau auf dem Programm steht, entwirft und näht er in erster Linie Kostüme für die Theatergruppe ProSzenium, bei der er auch selbst schauspielert. Kurz vor den Aufführungen flitzt der fleißige Designer manchmal direkt nach der Arbeit in sein Atelier und investiert viel Geduld und Zeit in sein Hobby. Dabei reizen ihn nur die wirklich ungewöhnlichen Sachen. „Wenn ich für mich eine Hose kürzen muss, bringe ich sie zum Änderungsschneider.“