Raue Sitten auf der Bühne

Erscheinungsdatum: 
09.05.2009

Die Amateurtheatergruppe "ProSzenium" probt für Theater im Theater

von Jutta Schumann

Wild geht es zu bei der Theaterprobe. Nicht mehr lange bis zur Aufführung. Die Nerven der Schauspieler sind angespannt und die Stimmung während der Probe sehr emotionsgeladen. "Da kommt eine Pause" wird die als Souffleuse eingesprungene Requisiteurin angeschrieen. Insgesamt herrschen ganz schön raue Sitten.

Das gehört aber alles zum Stück. "Kommissar Zimmermann und die Liebe zum Theater" ist eine Kriminalkomödie von Thomas Matschoß, in der der alltägliche Wahnsinn des Theaterlebens parodiert wird.

Während einer Aufführung von Shakespeares "Hamlet" wird die Souffleuse vergiftet. Sie hatte aus einer für den Hauptdarsteller gedachten Flasche getrunken. Kommissar Zimmermann, der selbst ein leidenschaftlicher Theaterbesucher ist und die fragliche Aufführung auch selbst besucht hatte, beginnt zu ermitteln. Während seiner Untersuchungen laufen am Theater die Probearbeiten und Aufführungen zu "Hamlet", "Woyzeck", dem Weihnachtsmärchen und einer Operette weiter. Der theaterliebende Kommissar erhält einen tiefen Einblick in das Leben hinter den Kulissen: Er lernt Eigenheiten und Ticks der Schauspieler sowie ihre Eifersüchteleien untereinander kennen.

"Wir machen hier Theater im Theater", erklärt Petra Wahed-Harms. Seit sechs Jahren führt sie Regie bei "ProSzenium". Der Reiz an diesem Stück liegt ihrer Meinung nach in den vielen Einzelstücken, die angespielt werden. "Wir als Amateure hätten uns sicher nicht an 'Hamlet' oder 'Woyzeck' getraut. In diesem Stück werden die Stücke angespielt und geprobt. Das ist für uns eine wunderbare Gelegenheit, das zu entdecken und zu erforschen."

Insgesamt spielen 14 Personen in dem Stück mit. Geprobt wird seit September. "Einige Szenen laufen schon sehr gut, andere müssen noch geübt werden", so die Leiterin. Generell liege das Ensemble gut im Zeitplan. Auch mit Thomas Matschoß (Autor des Stückes) hab sie bei der Vorbereitung gesprochen. "Er möchte mit diesem Stück das ganze Theaterleben auf die Schippe nehmen", erklärt Wahed-Harms.

Eine kleine Freiheit hat sich die Gruppe jedoch erlaubt: "Das Stück ist eine Auftragsarbeit für ein anderes Theater. Damit der Zuschauer den wechselnden Szenen gut folgen kann, gibt es einen Erzähler. Eine Erzählstimme vom Band hätte uns nicht gefallen. Wir wollten das gerne spielen lassen", erzählt die "ProSzenium"-Leiterin. "Wir haben zwei junge Damen, die die Musen des Theaters, Thalia und Melpomene, spielen. Sie sind sozusagen die Bewohner des Theaters und vermitteln immer wieder zwischen den unterschiedlichen Ebenen." Eine Hauptrolle gäbe es nicht. "Es gibt ziemlich viele gleichberechtigte Rollen in diesem Stück. Sie sind alle gleich wichtig, man kann keine weglassen", meint die Regisseurin.

Einige der Darsteller stehen für dieses Stück zum ersten Mal auf der Bühne. So auch Jens Fischer (als Regisseur und Intendant) und Lutz Echtermann, der Daniel Bohnacker, einen Deutschlehrer und verkappten Schauspieler spielt. Die Frage nach Lampenfieber beantworten die beiden Akteure unterschiedlich. Fischer ist es als DJ gewohnt, vor Publikum aufzutreten. "Aufgeregt bin ich deshalb eher wenig." Sein Schauspielkollege Echtermann sieht das etwas anders: "Ich war einmal Fallschirmspringen. Die Aufregung ist in etwa vergleichbar. Aber es es ist schön, so etwas mitzumachen und sich selbst auf die Bühne zu stellen", erzählt er.

Premiere hat das Stück am 5. Juni (19:30 Uhr) im Jugendhaus Villa. Insgesamt werden dort und im "Strings Live" acht Vorstellungen gespielt.