Proszenium-Ensemble zeigt sich in "Villa" von seiner besten Seite

Erscheinungsdatum: 
08.06.2009

Aktuelles Stück des Laientheaters überzeugt Besucher in der "Villa"

Von Helmuth Riewe

In ihrer aktuellen Produktion "Kommissar Zimmermann und die Liebe zum Theater" haben die Akteure von "Proszenium" sich durch ihre künstlerische Ausstrahlung erneut gesteigert. Das Premierenpublikum in der "Villa" bedankte sich mit langem Beifall.

Das seit knapp zehn Jahren in Delmenhorst agierende Theaterensemble "Proszenium" entwickelt sich unter Leitung von Petra Wahed-Harms immer mehr zu einem kulturellen Aushängeschild Delmenhorsts.

In der Kriminalkomödie "Kommissar Zimmermann und die Liebe zum Theater", deren Premiere am Freitagabend im Saal der "Villa" an der Oldenburger Straße stattfand, stellten sich die Schauspieler mit einem ausdrucksstarken Können vor, das man von Laiendarstellern in solcher Intensität fairerweise gar nicht erwarten darf.

Da auch die Inszenierung des in Delmenhorst angesiedelten Stücks spritzig, intelligent und mit zahlreichen Überraschungsmomenten daherkommt, kann Theaterfreunden der Besuch der verbleibenden fünf Aufführungen uneingeschränkt empfohlen werden. Zugleich wäre ein regelmäßiges ausverkauftes Haus Ansporn für die "Proszenium"-Macher, auch in Zukunft ihr Engagement auf ausgefeilte Produktion zu richten, mit denen das Publikum niveauvoll begeistert werden kann.

Im Zentrum des Geschehens steht Theaterfreund Zimmermann (Michael Weimann), der beim Besuch einer Hamlet-Aufführung erschrocken miterleben muss, dass ausgerechnet die Souffleuse Opfer eines Giftmordes wird. Konsequent schaltet er sich in das Bühnengeschehen ein und stellt nach den ersten Verhören fest, dass es sich bei dem Todesfall offenkundig um eine Verwechslung handelt. Als eigentlich vorgesehenes Opfer macht er unschwer den Schauspieler Egbert Dahlow (Herbert Hahn) aus, einen nörglerischen Alkoholiker, der einem verbalen Streit nie aus dem Wege geht. Als Pech für Kommissar Zimmermann erweist sich, dass es im Ensemble aber niemanden gibt, der dem Egomanen Dahlow ernsthaft böse ist oder der über ein handfestes Tötungsmotiv verfügen könnte.

Fast drei Stunden lang hat sich der Bühnenkriminalist daher an den Charakteren und den Lebensgeschichten der Schauspieler abzuarbeiten, bevor es beim Finale zu einer überraschenden und zugleich einleuchtenden Auflösung des Kriminalfalles kommt. Der Reiz der Vorführung liegt für die Zuschauer darin, dass sie von einer aktionsreichen Fechtszene bis hin zu zärtlichen Zwiegesprächen alle Formen künstlerischer Bühnenpräsenz geboten bekommen. Darüber hinaus wagt es die Regie, den starren Rahmen der Bühne zu überwinden und den gesamten Theatersaal in das Geschehen einzubinden. Besucher der ersten Reihen müssen dennoch nicht befürchten, selbst aktiv als Statisten eingesetzt zu werden.