Abenteuerliche Szenen ohne Requisiten improvisiert

Erscheinungsdatum: 
02.06.2008

Ohne zu wissen, was sie genau erwarten würde, betraten sieben Jugendliche am Freitagabend die Bühne im Kerem.

Von Julia Brünner

Das Publikum wusste ebenso wenig, was genau passieren würde. Aber genau diese Ungewissheit ist charakteristisch für Improvisationstheater, mit dem sich die Nachwuchsgruppe des Theaterensembles ProSzenium ein halbes Jahr beschäftig hatte. Damit die jungen Leute im Alter von 15 - 21 Jahren dennoch gut vorbereitet ihre erste Vorstellung meistern konnten, wurden sie von der Theaterpädagogin Daniela Elisat geschult.

Um ihre Kreativität unter Beweis stellen zu können, waren die Darsteller auf ein ebenso kreatives, wie spontanes Publikum angewiesen. Tatsächlich zeigten sich die knapp 60 Zuschauer von ihrer fantasievollen Seite. Als ein Ort gesucht wurde, kam zum Beispiel: Toilette, Bahnhof und Ballermann. Für das erste Spiel entschied sich Mitspieler Lars Nitschke für den Bahnhof. Daraus entwickelten sich im Minutentakt kleine Szenen. Warteten zwei Spieler zuerst am Gleis auf den Zug, ging die Szene nach Abklatschen in eine Fotosession über und in der dritten Szene begannen zwei Partner einen Streit. All diese Szenenwechsel entwickelten die Spieler in einem hohen Tempo. Das brachte Abwechslung, auch wenn man sich in einigen Momenten gewünscht hätte, dass die Szene weitergespielt wird.

Selbst Sterbeszenen stellten für die Gruppe zur ersten öffentlichen Vorstellung kein Tabu dar. Zuerst sollte ein Vorschlag für einen Ort aus dem Publikum kommen. Und so spielte Christina Woike im 60 Sekunden eine Sterbeszene in der Telefonzelle. Als labile Persönlichkeit ließ sie sich am Telefonhörer zum Freitod überreden und strangulierte sich mit dem Kabel. Lars Nitschke brauchte von den Zuschauern einen triftigen Grund, um sich auf der Bühne umzubringen.Eine Fünf in Mathe ließ ihn derart in Verzweiflung treiben, dass er die Klausur zerriss: "Mist, jetzt habe ich vier Fünfen", rief er noch, bevor seine letzte Sekunden eingezählt wurden. Zuletzt sollt sich das Publikum ein Mittel, das zum Tod führten sollte, ausdenken. Ruckzuck wurde ein Seil ausgewählt und Tom Schmidt machte fast eine pantomimische Szene daraus. Spielerisch versucht er zu hüpfen, bis er sich derart verhedderte, dass er sich darin verschlang. All diese Szenen spielten die Darsteller, wie es sich im Impro-Theater gehört, ohne Requisiten und Kostüme.

Nicht nur der Wirt war von der Premiere begeistert. Das Publikum erklatschte sich sogar noch eine Zugabe.