Die Leidenschaft nach dem ersten Tango

Erscheinungsdatum: 
25.06.2002

Laiendarsteller gründeten aus lauter Spielfreude einen Verein – die Probenarbeit für das nächste Stück läuft

Von Ilse Wittenburg

Delmenhorst.

Nach dem ersten gemeinsamen „Tango“ wuchs die Leidenschaft für das Theater. Für alle Akteure in dem gleichnamigen Stück war die Premiere im November 2000 eine echte Bewährungsprobe: Zum ersten Mal standen die Laiendarsteller auf der Bühne, hatten Ängste und Schüchternheit überwunden und waren in ganz neue Rollen geschlüpft.

In dem Theaterprojekt 2000 der Volkshochschule, das Grundlagen der Schauspielkunst vermittelte, waren die acht Seminarteilnehmer auf den Geschmack gekommen. Und spätestens nach dem Premierenapplaus am Ende des Expo-Jahres war ihnen klar, dass der Vorhang für sie nicht für immer fallen durfte. Bereits im nächsten Sommer gab es deshalb eine weitere Premiere.

Die mittlerweile ziemlich Theater verrückten Laienschauspieler gründeten einen Verein, und bereits seit Herbst 2001 wird wieder geprobt. „ProSzenium“ – Raum zwischen Vorhang und Bühne – heißt der neue Theaterverein. Seine Vorsitzende Petra Wahed-Harms versteht den Namen als Auftrag für alle Beteiligten: Etwas ganz Neues versuchen, sich damit vor den Vorhang trauen, ganz nah am Publikum.

Als Geldhexe Tyrannja Vamperl arbeitet sie an jedem Proben-Donnerstag in der Grundschule Iprump mit Prof. Beelzebub Irrwitzer (Michael Weimann, ihr Stellvertreter) intensiv an der Herstellung des „satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsches“. So nämlich heißt das Zauberstück in drei Akten von Michael Ende, das am 7. Dezember in der „Villa“ aufgeführt werden soll.

Das Ensemble beschreibt es als „spannendes Märchen, das mit seinen witzigen Dialogen nicht nur ein junges Publikum begeistert“. Nach dem schwierigen absurden Theater der ersten Produktion ist das Ende-Stück ein Kontrastprogramm. In den sechs zu besetzenden Rollen können die Darsteller ihren Spaß an skurrilen Charakteren ausleben.

Regie führt Ina Beckmann, die ihre Erfahrung aus Amateurtheatern in die Arbeit einbringt. Andere „ProSzenium“-Mitglieder haben Aufgaben als Bühnenbauer und Kostümbildner übernommen. „Aber wir können noch viel mehr Schauspieler, Tüftler für die Technik, Souffleure und Schmink-Experten gebrauchen“, betont die Vorsitzende. Wenn man ihr und den beiden Vorstandskollegen Weimann und Heinz-Günther Harms (Schatzmeister) zuhört, dann wird man angesteckt von ihrer Begeisterung, die bisher stärker war als Lampenfieber und Stress beim Textlernen. Und das obwohl bei aller künstlerischen Freiheit von den Beteiligten erwartet wird, dass sie keinen Probentermin ausfallen lassen und sich dem Ensemble verpflichtet fühlen. "Engagierte Leute zu finden, die bis zur Premiere durchhalten, das ist nicht einfach", weiß Wahed-Harms.

Warum sie und ihre Kollegen nicht mehr von der Bühne lassen können? "Weil man beim Theaterspielen viel über sich und andere und das Leben lernt", meint ein "ProSzenium"-Akteur. Ein anderer:"Weil es wunderschön ist, wenn man im Kampf gegen sich selbst, Unmögliches zu schaffen, siegt."