Wärmflasche Lisa spendet Trost

Erscheinungsdatum: 
16.06.2004

ProSzenium zeigt heute zum letzten Mal Kishons Stück „Es war die Lerche“ in der Villa

Von Brigitte Stalling

Szenen einer Ehe – gekonnt auf die Bühne gebracht von ProSzenium. „Es war die Lerche“ heißt es heute noch ein weiteres Mal in der Villa.

In einem harmonischen, in mediterranen Farben gehaltenen Bühnenbild mit der musikalischen Untermalung von Angelo Branduardi’s „Studio Collection“ inszenierte der Theaterverein ProSzenium Kishons Stück „Es war die Lerche“.

Bei dem größten und bekanntesten Liebespaar aller Zeiten Romeo (Michael Weimann) und Julia (Ines Paetzoldt), die ihrem Schöpfer William Shakespeare ein Schnippchen geschlagen haben, am Leben geblieben und miteinander verheiratet sind, ist nach 30 Ehejahren die Luft raus. Übrig geblieben ist für Romeo ein gestörtes Verhältnis zu seiner Wärmflasche Lisa, die ihm wenigsten etwas Wärme in seinem trostlosen Leben als Ballettlehrer gibt. Julia erweist sich als bissige, wüst zeternde und geldgierige Hexe. Für ein Dienstmädchen würde sie wieder die zärtliche und anschmiegsame Geliebte sein.

Verschärfend für die häusliche Harmonie gesellt sich die gemeinsame Tochter Lucretia (Tania Buchberger). Dieser pubertierende Teenager ist das Einzige, was diese Ehe noch zusammenhält. Auch der vertrottelte Pater Lorenzo (Heinz-Günther Harms) kann Julia nicht helfen. Man kommt nicht umhin, die Parallelen in der Gegenwart zu sehen.

Szenen einer Ehe; es hat sich nichts geändert, die Gründe für das Scheitern einer Ehe, ob vor einigen Jahrhunderten oder in der heutigen Zeit sind immer noch die gleichen. Kerstin Dummer, Julias ehemalige Amme, bringt die Zuschauer mit einer köstlichen Mimik und Gestik immer wieder zum Lachen. Shakespeare (Rune Jürgensen), der nach eigener Aussage seine Frau mit drei „Bälgern“ sitzen ließ, versucht listig und Zwietracht säend, seine Geschöpfe doch noch zu Tode zu bringen.

ProSzenium hat mit seiner zweiten Aufführung wieder eine hervorragende Inszenierung abgeliefert. Wer heute noch nichts vor hat, sollte sich das Stück unbedingt ansehen...