Wie 30 Ehejahre auch Romeo und Julia zusetzen

Erscheinungsdatum: 
14.06.2004

Schauspielgruppe „ProSzenium“ mit neuem Stück

Mit der Premiere von Ephraim Kishons Werk „Es war die Lerche“ konnte die Gruppe ihr Publikum begeistern. Zuvor feierte ProSzenium mit Michael Endes „Wunschpunsch“ große Erfolge.

„Julia war nie mein Typ.“ Nach 30 Ehejahren scheint es, als sei bei Romeo nicht viel Liebe für seine Julia übriggeblieben. Die schönen Worte, die er einst in den Nachthimmel flüsterte, waren nur eine „Masche“. Nun hat der Alltag beide fest im Griff. Julia zürnt ihrer Mutter, da diese sie „nicht eindringlich genug“ vor einer Heirat mit Romeo gewarnt habe, und Romeo ist mit seinem Beruf als Ballettlehrer nicht recht glücklich.

Die Laienschauspielgruppe ProSzenium, entstanden aus einem Schauspielkurs an der Volkshochschule (VHS), hat sich in ihrer zweiten Produktion mit Ephraim Kishons Werk „Es war die Lerche“ auseinandergesetzt. Mit einem gelungenen Bühnenbild versetzten sie ihre Zuschauer direkt an den Ort des Geschehens. Das Haus der Familie Montague in Verona.

Man merkt dem Stück viel Liebe zum Detail an: Das weltbekannte Liebespaar beschimpt sich im fließendem Italienisch, und die Kostüme wirken tatsächlich wie aus einer anderen Zeit. Überaus unterhaltsam und mit viel Humur brachte Michael Weimann seinen Romeo auf die Bühne.

Mit Mühe gezügelte Wutanfälle bei den endlosen Erzählungen von Julias Amme (Kerstin Dummer) und den vielen kleinen Streitereien mit Julia vermittelte Weimann überaus glaubwürdig. Überzeugend war auch Ines Paetzoldt in der Rolle der hitzigen Julia, die dem vergesslichen Pater Lorenzo (Heinz-Günther Harms) ihr Leid klagt.

Aus dem Nichts taucht in diese Situation Shakespeares Geist (Rune Jürgensen) auf, der sich vorgenommen hat, seine Tragödie zu Ende zu führen. Er verliebt sich in Lucretia (Tania Buchberger), Tocher des Liebespaares, und verleitet Romeo und Julia zu einer furchtbaren Tat. Die Schauspieler, spürbar mit voller Begeisterung dabei, ließen in dem von Petra Wahed-Harms inszenierten Stück auch Raum für ruhigere Augenblicke, die dann wieder von humorvollen Szenen abgelöst wurden...