Wenn der verliebte Herbert...

Erscheinungsdatum: 
26.06.2006

ProSzenium feiert Premiere mit „Das Haus in Montevideo“

von Nicole Baumann

Im ausverkauften Saal brachte das ProSzenium-Ensemble gestern „Das Haus in Montevideo“ auf die Bühne der Villa. Das Premieren-Publikum war entzückt von der bereits fünften Produktion der Delmenhorster Schauspieler.

Kein Wunder. Das, was die Zuschauer gestern in der Villa zu sehen bekamen, war zweifellos tolles Komödientheater. Trotz der Vielzahl der Mitwirkenden (inklusive Zweitbesetzungen sind es 34 Schauspieler und 27 Akteure hinter den Kulissen) ist es Regisseurin Petra Wahed-Harms gelungen, Tempo, Vergnügen, Moral und jede Menge Spielfreude auf die Bühne zu bringen.

Zuckersüß: die Kinderschar der zwölfköpfigen Familie Nägler, die im Rüschenkleidchen, Schleifchen im Haar oder Matrosenhemden, wie aus dem Ei gepellt diszipliniert und amüsiert ihrer Rolle gerecht wurde.

Ein großes Lob verdient Michael Weimann als Professor Dr. Traugott Hermann Nägler. Sprachgewand und souverän meistert er die Figur des dickfellig-stolzen Familienvaters, dessen moralisches Feingefühl letztlich gehörig auf die Probe gestellt wird – gespickt mit einer großen Portion schlechtem Gewissen. An seiner Seite verstand es Ines Paetzoldt, der Gattin Marianne ein Gesicht zu geben. Zurückhaltend und sympathisch hält sie die „Zügel“ in der Hand, agiert schlau und gewandt im Hintergrund – zusammen mit Heinz-Günther Harms als Pastor Riesling, der es schließlich beherzt auf den Punkt bringt: schmutzig sind oftmals nur die Gedanken.

Die stärkste Nebenrolle: Michael Langner (in der Zweitbesetzung Malte Schwarting) als verliebt-heiratswilliger Herbert, der sich von nichts erschüttern lässt: „Mach dir keine Sorgen, Papa liebt eine gewisse Beschränktheit“, ist es seiner Herzdame Atlanta Nägler (Tania Buchberger) zu entlocken, und Herbert fügt verzweifelt hinzu: „Ich fürchte, ich werde seine Erwartungen bei weitem übertreffen.“ – Drollig und gekonnt meistert Langner seine Rolle, zieht die Sympathie der Zuschauer schnell auf seine Seite.

Nicht zuletzt muss der Hut vor dem Schaffen der Kostümbildner gezogen werden, die dazu beigetragen haben, die Zuschauer rund 100 Jahre in die Vergangenheit zurückzuversetzen.

Fazit: Das Haus in Montevideo ist eine spritzige Komödie, die man nicht verpassen sollte...