"Was ihr wollt" in einer Fassung, wie es dem Publikum gefällt

Erscheinungsdatum: 
11.06.2007

ProSzenium-Premiere: Klassiker zwischen Ernsthaftigkeit und derben Humor

In seiner Shakespeare-Inszenierung schnürt ProSzenium das historische Korsett nicht zu eng. So bleibt Raum für die Spielfreude. Eine Fassung, wie sie an Stadttheatern oft vermisst wird.

Von Julia Brünner

Delmenhorst. Verkehrte Welt im doppelt und dreifachen Sinn: Eine Frau spielt einen Mann. Zu Shakespeares Zeiten undenkbar. Da gab es nur männliche Schauspieler auf der Bühne, eben auch in Frauenrollen. Und wenn dann ein Mann eine Frau gespielt hat, die sich wiederum als Mann ausgibt, verschwimmen die Geschlechterrollen nicht nur in die Androgynität. Der mehrfache Rollentausch birgt eben auch komisches Potenzial, wie in „Was ihr wollt“. Während es für die Figuren eher eine gewisse Tragik zur Folge hat, kann sich das Publikum, weil es das Verwechslungsspiel durchschaut, prächtig amüsieren.

Mit dieser Mischung aus historisch verbürgter Ernsthaftigkeit und einem ausgeprägten Hang zum derben Humor begeistert das Ensemble von ProSzenium.

Es ist den Darstellern anzumerken, dass sie sich in ihren Rollen wohl fühlen. Das spricht für ein glückliches Händchen der Regisseurin Petra Wahed-Harms bei der Besetzung. Darüber hinaus tut es der Rollen-Wahrhaftigkeit gut, dass die Darsteller ganz unterschiedlichen Alters sind.

Besonders gelungen sind die Momente, in denen das Gefühl gegen das Pathos der wohl geformten Worte gewinnt, ob es die Blicke sind, die Viola als Cesario (hingebungsvoll: Tania Buchberger) ihrem Angebeteten Orsino (adlig-distanziert: Michael Langner) zuwirft, oder die zarten Küsse von Sebastian (gefühlvoll: Jamila Frese) zu Olivia (streng: Lea Borgaes).

Als Gegenpol zu diesem Liebesspiel treiben Sir Toby Belch (Michael Weimann) und Sir Andrew Arguecheek (Heinz-Günther Harms) ihren Schabernack mit Malvolio (Herbert Hahn). Gerade die Szene, in der Malvolio den fingierten Liebesbrief vorliest und die zwei dies von den Rosenbögen kommentieren, zeigt, wie sehr die drei in schauspielerische Leidenschaft aufgehen.

Nächste Vorstellungen: Heute und morgen ab 20 Uhr, Mittwoch, 18 Uhr, in der Villa.