Theaterszenen entstehen auf Zuruf

Erscheinungsdatum: 
02.06.2008

Begeisterter Applaus für ersten Auftritt von ImProSzenium / Kein einziges Mal ins Stocken geraten

Von Antje Rickmeier

Die Premiere ist gelungen: Für ihren ersten Auftritt bekam die Theatergruppe ImProSzenium am Freitagabend viel Applaus. Die sieben Jugendlichen auf der Bühne in der Kerem Kultur Kneipe präsentieren Improvisationstheater. Dabei war es die Aufgabe der Zuschauer, Orte, Gefühle oder Gegenstände für die Szenen auf der Bühne vorzuschlagen.

Die Nachwuchs-Schauspieler Lars Nitschke, Jarmila Frese, Julia Pohl, Tom Schmidt, Christina Woike, Saskia Mosler und Marieke Borgaes zeigten zunächst Spiele, bei denen sie sich an bestimmten Vorgaben halten mussten. Bei „Tod in einer Minute“ etwa durfte das Publikum bestimmen, wo oder mit welcher Mordwaffe der Darsteller auf der Bühne den Tod spielen soll. Der hatte dann genau eine Minute lang Zeit, die Szene möglichst dramatisch, aber auch glaubhaft zu präsentieren. Dass sich das Publikum bemühte, besonders originelle Vorschläge zu machen, versteht sich von selbst: Für den ersten Bühnen-Tod wurde eine Telefonzelle vorgeschlagen. Als „Mordwaffe“ für eine andere Szene empfahl ein Zuhörer ein Springseil. Deshalb sorgten nicht nur die Aktionen auf der Bühne für Gelächter, sondern auch die teilweisen absurden Vorschläge aus dem Publikum.

Für eine Interview-Szene mit einer Erfinderin, die nicht weiß, was sie erfunden hat, wurde eine ausgefallene Idee gesucht – „Socken-Suchmaschine“ kam es von den Zuschauern. Die sieben Akteure zeigten auch, dass dieselbe Szene ganz unterschiedlich ausfallen kann. Auf Zuruf des Publikums spielten sie eine Fahrt im Bus mit verschiedenen Gefühlen – einmal traurig und einmal arrogant.

Beifall gab es auch für das Spiel „Freeze“: Zwei oder drei Jugendliche spielten eine Szene. Nach kurzer Zeit wurde einer der Mitspieler ausgewechselt, während die anderen in ihrer Haltung verharren mussten. Dann ging die Szene weiter allerdings mit einem anderen Thema. Die sieben Schauspieler setzten die Vorgaben mit Tempo, Witz und originellen Ideen um.

Das improvisierte Theater geriet kein einziges Mal ins Stocken. Im September 2007 haben die Jugendlichen zwischen 15 und 22 Jahren mit dem Theaterspielen begonnen. Unter der Leitung von Daniela Elisat aus Bremen ging es um die Regeln des Improvisationstheaters. „Man muss viel üben, dann kommt es ganz spontan“, sagt Petra Wahed-Harms, Vorsitzende der Delmenhorster Theatergruppe ProSzenium, zu der die Jugendlichen gehören. Die Idee für die Gründung von ImProSzenium entstand, weil die bestehende Theatergruppe einen großen Zulauf von Jugendlichen hat. Sie könnten jedoch nicht immer alle in den Stücken untergebrachte werden, sagte Wahed-Harms. Das Improvisationstheater-Projekt, das die Oldenburgische Landschaft gefördert hat, ist zunächst abgeschlossen. „Doch ich bin sicher, sie werden weiter machen“, meinte die Vorsitzende. Die sieben Jungschauspieler waren vor ihrem ersten Auftritt ziemlich nervös. „Man kann die Regeln lernen, doch man kann nie voraussehen, wie eine Szene ausgeht“, sagt Lars Nitschke. Er sei positiv überrascht, meinte der 18-Jährige über die Begeisterungsstürme im Publikum. „Bühne macht Spaß“, lautete sein Fazit des ersten Auftritts.