Anfechtungen eines Moralisten

Erscheinungsdatum: 
26.06.2006

Ein „Haus in Montevideo“ birgt für die Besucher zahlreiche Überraschungen

Starke Leistungen bietet ProSzenium mit seinem Stück „Das Haus in Montevideo“. Neben gestandenen Laienschauspielern stürmen zahlreiche Kinder die Bühne.

Von Helmuth Riewe
Delmenhorst.

 

Über eine rundum positive Aufnahme ihres aktuellen Stücks beim Publikum konnten sich die Macher des Delmenhorster Theatervereins ProSzenium am Sonnabend im Saal des Jugendzentrums Villa an der Oldenburger Straße freuen. Dem Ensemble um Regisseurin Petra Wahed-Harms war zur Premiere mit der Curt-Goetz-Komödie „Das Haus in Montevideo“ eine überzeugende Inszenierung gelungen, die das humoristische Moralstück zu Weltmeisterschaftszeiten zu einem vergnüglich-sehenswerten Alternativprogramm werden ließ.

In das Leben von Professor Traugott Hermann Nägler (Michael Weimann), der über Ehefrau Marianne (Ines Paetzoldt) und eine zwölfköpfige Kinderschar ein zugleich strenges und behütetes Familienregiment führt, kommt Bewegung, als seine in Südamerika verstorbene Schwester seiner ältesten Tochter Atlanta (Tania Buchberger) ein Haus in Montevideo vererbt. Zunächst will Nägler, der die Schwester einst wegen eines unehelichen Kindes aus dem Familienclan ausgeschlossen hatte, von dem Erbe nichts wissen. Doch die eigene ärmliche Situation sowie die Überredungskünste des Pastors (Heinz-Günther Harms) und des Bürgermeisters (Stefan Möller) bewegen ihn dazu, gemeinsam mit Atlanta die Reise nach Montevideo anzutreten. Dort kommt es dank des skurillen Testaments der Verstorbenen zu Verwicklungen, die das Nägler’sche Moralkorsett gänzlich aus den Fugen zu bringen drohen.

 

Die ProSzenium-Inszenierung lebt von einer ausgesprochen spritzigen Darstellung sowie von einer überraschend positiven Ausstrahlung der zahlreichen Akteure. Hervorzuheben ist hier das Männerduo Professor und Pastor, dem Michael Weimann und Heinz-Günter Harms locker Tiefgang und Überzeugungskraft verleihen. Als gelungen ist auch der Auftritt der zwölf Nägler-Kinder zu vermerken, der dem jüngsten ProSzenium-Nachwuchs genügend Spielraum vermittelte, um eigenes Talent auszuprobieren.

Bis Mittwoch gibt es täglich eine Aufführung in der Villa an der Oldenburger Straße