Theaterspiel mit viel Tempo, Mut und Kreativität

Erscheinungsdatum: 
27.05.2008

Nachwuchs von ProSzenium im Kerem

von Julia Brünner
Delmenhorst.

Die Freude ist riesengroß: Mit ausgebreiteten Armen, einem strahlenden Lächeln und flotten Schrittes läuft Marieke Borgaes auf Herbert Hahn zu: „Was hast Du wieder für ein schönes Hemd an.“ So viel Begeisterung für die Garderobe? Und eine Runde weiter schnauzt Michael Weimann in einem barschen Tonfall gegenüber Tom Schmidt: „Also, eines wollte ich Dir schon immer mal sagen: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“

Für den Beobachter passen die Worte und Gesten irgendwie nicht zueinander. Ein Reim wird erst daraus, als sich herausstellt, dass es sich um ein Aufwärmspiel für die Mitglieder der Theatergruppe ProSzenium handelt. „Es gilt dabei Emotionen zu trainieren und sich zu lockern“, erklärt Regisseurin Petra Wahed-Harms. Bevor allerdings die Erwachsenen proben, spielen sie das Publikum für die Jugendlichen. Sie fiebern ihrem ersten öffentlichen Auftritt am Freitag, 30. Mai, entgegen. Unter dem Namen „ImProSzenium“ stellen sie sich ab 20 Uhr im Kerem mit Improvisationstheater vor. Wenn sie auch einen völlig frei improvisierten Theaterabend ankündigen, so wollen sie sich doch bestmöglich vorbereiten – deswegen die Hauptprobe.

„Bushaltestelle“, „Labor“ und „Manege“ rufen die Amateure von ProSzenium ihrem Nachwuchs zu, als es um Ortsvorschläge geht. Erwartungsgemäß entpuppt sich das Publikum als kreativ und spontan und genau diese Eigenschaften müssen die jungen Darsteller auch mitbringen. „Es entsteht immer etwas Neues“, sagt Julia Pohl (16). Und Lars Nitschke (18) ergänzt: „Wir können die Szenen vorher nicht proben, weil wir nie wissen, welche Begriffe von den Zuschauern kommen.“

Die Bushaltestelle wird von den Jugendlichen als Start ausgewählt. Zwei Spieler beginnen die Szene, nach einem Moment klatscht die nächste und unterbricht damit das Spiel, die beiden verharren und frieren ihre Gesten kurz ein. Der nächste Spieler bringt einen neuen Ort ins Geschehen: ein Baumhaus. Während gerade noch von der guten Sicht geschwärmt wird, geht es nahtlos über zum Sprungturm, wo sich die Mitspieler versuchen zu überwinden. „Du musst da runter, sonst bekommst Du eine Fünf“, meint Lars Nitschke zu Tom Schmidt (15). „Man muss sich schon sehr gut kennen, um zu merken, ob der andere noch eine Spielidee hat“, beschreibt Saskia Mosler (18) eine Herausforderung am Improvisationstheater. Vom Spielverlauf hängt es ab, ob eine Szene unterbrochen wird. Wichtig sei die Technik und Konzentration. Angestrebt sei ein guter Anfang und ein gutes Ende. „Man muss auch den Mut zum Scheitern haben“, meint Lars Schmidt. Denn zu viele Gedanken dürfe man sich nicht machen. Spontaneität ist gefragt.

Die Technik dafür hat Daniela Elisat, selbst viele Jahre Mitglied des Ensembles Instant-Impro aus Bremerhaven, den Schülern vermittelt. Seit einem halben Jahr bringt die Theaterpädagogin den Jugendlichen das improvisierte Spiel bei. Möglich geworden ist dieses Projekt durch die Förderung der Oldenburgischen Landschaft. Offiziell ist das Projekt mit der Aufführung am Freitag beendet. Doch für die Teilnehmer steht fest: „Wir spielen weiter.“