Auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Tragödie

Erscheinungsdatum: 
06.06.2010
"ProSzenium" überzeugt mit "Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit.
 
Das vielschichtige Intrigenspiel von Peter Turrini fesselt die Zuschauer ab der ersten Minute. Aufwändige Kostüme und die Beteiligung des Publikums steigern die Atmosphäre des Schauspiels. (…)
 
Ein Beitrag von Jan Eric Fiedler:
 
Das mittlerweile achte Stück der Theatergruppe „ProSzenium“ hat bei seiner Premiere am Freitag das Jugendhaus Villa in ein spanisches Grafenhaus aus der Zeit der französischen Revolution verwandelt. Mit derber Sprache und viel Dramatik zeigte das Ensemble „Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit“ von Peter Turrini, dem die bekannte Komödie von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais als Vorbild dient.
 
Mit dem Kampflied „Ah! Ca ira“ der französischen Revolution werden die Zuschauer an den Hof des Grafen Almaviva von Sevilla geführt. Dieser hat es auf die Zofe Susanna abgesehen. Susanna will allerdings den Diener Figaro heiraten.
 
Der Graf versucht mit allen Mitteln, die Hochzeit zu verhindern. Dabei kommt ihm das Interesse der älteren Marcelline zu Gute. Figaro steht in ihrer Schuld, und sie möchte ihn für sich gewinnen. Mit zahlreichen Intrigen versuchen alle Beteiligten einen Vorteil aus der komplizierten Situation für sich zu erlangen.
 
Das ruft die Gräfin auf den Plan, die sich fleißig an dem Intrigenspiel beteiligt, um nicht nur den Weg für Figaro und Susanna, sondern auch für sich und den Pagen Cherubino frei zu machen.
 
Über weite Strecken als Komödie inszeniert, trägt „Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit“ viele Elemente einer Tragödie in sich, die zum Ende hin immer weiter in den Mittelpunkt rücken. „Diese Komödie ist eine Tragödie“, erkennt Figaro schon während des Stücks.
 
Das Scheitern des Helden verteilt sich in Trurrinis Schauspiel auf mehrere Schultern. Das vielschichtige Intrigenspiel zahlt sich für keinen der Teilnehmer aus. Anders als in der Vorlage von Caron de Beaumarchais gibt es kein versöhnliches Ende.
 
Das engagierte Ensemble überzeugt auf der Gratwanderung zwischen Komödie und Tragödie. Besonders deutlich wird dies bei den Darstellern der Susanna (Lea Borgaes) und des Figaros (Michael Langner), deren heitere Ausgelassenheit über das verzwickte Intrigenspiel sich immer weiter in Angst und Verzweiflung steigert.
 
Neben den überzeugenden Darstellern konnte das Stück mit eindrucksvollen Kostümen beim Publikum punkten: An die Commedia dell’arte angelehnt, zeigten sich die Schauspieler in bunten und kunstvollen Kleidern. Bei einer Gerichtsszene wurde das Publikum in das Stück integriert. Durch Raunen und Murmeln unterstrich es auf Kommando die dichte Atmosphäre der Szene.
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