Eine Aufführung, die es in sich hat

Erscheinungsdatum: 
11.06.2012
 
Delmenhorst. Von Heide Rethschulte

Am Ende kann sich Peppone eine letzte kleine Nickeligkeit nicht versagen. Kurz vor der Weihnachtsmesse mopst er das Jesuskind aus der Krippe und verschwindet grinsend im Dunkeln. Damit endet die Aufführung der jüngsten Inszenierung des Delmenhorster Theatervereins "ProSzenium". Eine Aufführung, die es in sich hat. Der Klassiker "Don Camillo und Peppone", der derzeit auf mehreren deutschen Bühnen erfolgreich gespielt wird, ließ keinen Zuschauer bei den ersten drei von sechs Vorstellungen, die am Wochenende in der Villa über die Bühne gingen, kalt. Das Amateurensemble spielte leidenschaftlich und mit beachtlicher Qualität.

Proszenium hat das Stück, das auf dem erfolgreichen Filmen von Giovanni Guareschi aus den 50er Jahren basiert, bewusst ausgesucht. "Jeder kann damit etwas anfangen, weiß, was da auf ihn zukommt", begründete Sprecherin Ines Paetzoldt die Entscheidung für den Dreiakter, den Gerold Theobalt nach dem 1948 erschienenen Roman von Guareschi geschrieben hat und der den Akteuren jede Menge Gelegenheit zu intensivem Spiel bietet. Es geht derb und heftig, handfest und lebensprall zu. Und, wenn zu dem leidenschaftlichen Spiel interessante Regieeinfälle kommen, dann ist der Genuss für die Zuschauer garantiert.

Petra Wahed-Harms hat seit September vergangenen Jahres intensiv mit ihrem 14-köpfigen Ensemble geprobt. Galt es doch, viele verschiedene Charaktere herauszuarbeiten und schwierige Fragen zu klären. Die problematischste war zweifellos: Wie gehen wir mit der Figur des Jesus um? "Aus dem Hintergrund, wie im Film, konnten wir ihn nicht sprechen lassen. Das funktioniert auf der Bühne nicht", erklärt Petra Wahed-Harms ihre Überlegungen, "Jesus muss für die Zuschauer sichtbar sein." Proszenium ging aufs Ganze. Engagierte einen Bodypainter, der das Kostüm von Darsteller Lutz Echtermann bemalte. Außerdem gab ein Pantomime Tipps. Das Ergebnis ist hervorragend. Lutz Echtermann gab den Jesus mit stets passender Mimik und ruhigen, fließenden Bewegungen, was einen gelungenen Kontrast zu seinem heißblütigen irdischen Vertreter Don Camillo ergab.

Genug Arbeit hat er. Don Camillo ist ein wahrer Heißsporn und kämpft mit Inbrunst gegen den kommunistischen Bürgermeister Peppone. Herbert Hahn gab den eigensinnigen Pfarrer mit beeindruckender Mimik als ebenso liebenswert-temperamentvolles wie schlagfertiges Schlitzohr, das immer mal wieder auf den rechten Weg gebracht werden muss. Sein Gegenspieler Peppone war von ähnlichem Kaliber. Michael Weimann kämpfte mit großer Sturköpfigkeit für seine Überzeugungen, zeigte aber auch die menschlichen und nachdenklichen Züge des Kommunisten, der in der Öffentlichkeit so gern groß auftrumpft und sich von seiner Frau immer mal wieder zurechtstutzen lassen muss. Susanne Lürßen war ihrem Peppone als Ariana eine ebenbürtige, temperamentvolle Partnerin und verbot ihm zur Freude der Zuschauer des Öfteren harsch den Mund.

Ebenso engagiert agierte Heinz-Günther Harms als reicher Grundbesitzer Signore Pasotti, der mit Vehemenz gegen die Verbindung seiner Tochter Gina (Malena Mann als ebenso liebreizendes wie stimmungsschwankendes junges Mädchen) mit dem mittellosen Mariolino Bruciatia kämpfte. Bao Dinh überzeugte bei seinem ersten Proszenium-Auftritt als junger Liebhaber, der den Stimmungssprüngen seiner Gina manchmal völlig verdattert gegenüberstand. Heike Fehner als Signora Bruciata pflegte mit Inbrunst die seit langem bestehende Fehde mit den Pasottis.

Ebenfalls beeindruckende Auftritte hatten Miguel Luftmann und Monika Roth. Luftmann gelang das Kunststück, den tau-ben Smilzo mit Heiterkeit darzustellen, ohne ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Roth stellte überzeugend die Sorgen der alten Lehrerin Signora Christina dar, die sich so sehr über die Streitereien im Dorf grämte, dass sie nicht sterben konnte. Auch ihr half Jesus. Wolfgang Witt als Arbeiter Pietro Pizzi sowie Kerstin Bamberg, Rabea Sieler und Ines Paetzoldt als Inbegriff der Tratschtanten komplettierten das Ensemble.

Die bemerkenswerten schauspielerischen Leistungen gepaart mit schönen Regieideen wie der Schlägerei zwischen Don Camillo und Peppone in Zeitlupe oder der Idee, den Ausgang des Fußballspieles zwischen den Kommunisten und Katholiken durch die Reaktionen der Zuschauer zu verdeutlichen, machten das Stück zu einem amüsanten Theaterabend. Zumal keiner belehrt (höchstens Jesus Don Camillo), aber der Traum vom friedlichen Miteinander sehr lebendig transportiert worden war.